In den vergangenen Jahren haben Olbrich, Polytype Converting und Saueressig Engineering ihre Zusammenarbeit unter dem Dach der Matthews Engineering weiter intensiviert und ihre Kompetenzen gezielt miteinander vernetzt. Dabei bleiben die traditionsreichen Marken mit ihren jeweiligen Stärken und Marktpositionen klar erkennbar.
Anfang September sprach PRO Flexconvert in der Hamburger Niederlassung mit Esa-Matti Aalto, Senior Vice President / General Manager des Geschäftsbereichs Coating & Converting, und Stefan Essing, Vertriebsleiter, über die Entwicklung des Unternehmens, aktuelle Markttrends, technologische Innovationen und die Zukunftsaussichten für den Maschinenbau.
PRO Flexconvert:
Welche Rolle spielen die verschiedenen Kompetenzstandorte innerhalb Ihrer Organisation heute?
Esa-Matti Aalto:
Unsere verschiedenen Standorte sind ein wichtiger Bestandteil unserer Organisation und bringen jeweils spezifische Kompetenzen ein. So bündeln sich beispielsweise in Hamburg langjährige Erfahrungen in den Bereichen Projektierung, Vertrieb und Einkauf. Insbesondere der Projekteinkauf hat hier eine lange Tradition. Darüber hinaus verfügen wir über spezielles Know-how, etwa im Bereich Trocknung.
Gleichzeitig arbeiten die Standorte heute wesentlich stärker vernetzt zusammen. Olbrich in Bocholt und Polytype Converting in Fribourg sind keine voneinander isolierten Einheiten mehr. Bei Projekten greifen unterschiedliche Kompetenzzentren ineinander. Das ermöglicht es uns, die jeweiligen Stärken gezielt zu nutzen und unseren Kunden ein breiteres Technologieportfolio aus einer Hand anzubieten.
PRO Flexconvert:
Wie sieht diese Aufteilung konkret aus?
E.-M. Aalto:
Bocholt ist traditionell sehr stark bei dekorativen Anwendungen, wie z.B. Dekorfolien, Bodenbelägen und Tapeten aufgestellt, aber darüber hinaus bei vielen anderen Anwendungen, wie technischen Klebebändern oder im Medikalbereich.
Fribourg hat einen deutlichen Schwerpunkt im Bereich der schnelllaufenden Maschinen und Anlagen wie im Label- und Verpackungsbereich und verfügt über umfangreiche Kompetenzen bei hochpräzisen technischen Prozessen.
Hinzu kommt Saueressig Engineering, das unser Portfolio unter anderem mit Lösungen für Prägung und Oberflächenveredelung ergänzt. Wir produzieren weiterhin Maschinen selbst. Wir verstehen uns nicht ausschließlich als Engineering-Dienstleister, sondern verfügen weiterhin über umfangreiche eigene Fertigungs- und Produktionskompetenzen.
In Tschechien verfügen wir beispielsweise über wichtige Fertigungskompetenzen, unter anderem in der Blechbearbeitung und bei Trocknern. Auch Elektrotechnik und weitere Kernkompetenzen bleiben innerhalb unseres Netzwerks erhalten.
PRO Flexconvert:
Mit der Integration unter Matthews Engineering ist eine neue Dachstruktur entstanden. Wie vermitteln Sie diese dem Markt insgesamt?
E.-M. Aalto:
Das ist tatsächlich ein Punkt, mit dem wir uns intensiv beschäftigen. Mit den Kunden möchten wir in erster Linie über Technologien sprechen, nicht über Konzernstrukturen. Deshalb haben wir festgestellt, dass es sinnvoll ist, die etablierten Marken Olbrich, Polytype Converting und Saueressig Engineering wieder stärker sichtbar zu machen.
Die übergeordnete Verbindung bleibt die Dachmarke Matthews Engineering und die Zugehörigkeit zur Matthews International Corporation mit Hauptsitz in Pittsburgh. Aber wir wollen die Herkunft und die Tradition unserer Marken wieder stärker sichtbar machen. Gerade im europäischen Markt sind diese Marken seit Jahrzehnten bekannt und stehen für spezifische Kompetenzen. Wir sehen deshalb aktuell eine Entwicklung hin zu einer klareren Markenidentität.
PRO Flexconvert:
Was bedeutet das für das Technologieportfolio von Olbrich und Polytype?
Stefan Essing:
Vor allem bei Beschichtung und Kaschierung sehen wir sehr interessante Synergien. Wir verfügen über mehrere große (Pilot-)Beschichtungsanlagen beziehungsweise entsprechende Anlagenkompetenzen in Bocholt und Fribourg.
Durch die Verbindung mit den Kompetenzen von Saueressig Engineering können wir unser Angebot zudem bei bestimmten Beschichtungs- und Veredelungsprozessen erweitern.
Ein gutes Beispiel ist die Klebstofftechnologie. Gerade bei neuen Klebstoffsystemen profitieren wir von unserem Technikum in Fribourg und der Möglichkeit, Prozesse gemeinsam mit Kunden zu entwickeln und zu testen.
Wir können damit Chemie, Prozess und Maschine stärker zusammenbringen.
PRO Flexconvert:
Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation in der Converting-Industrie?
E.-M. Aalto:
Die vergangenen zwei Jahre waren von erheblicher Unsicherheit geprägt. Zölle, geopolitische Konflikte und die daraus resultierende mangelnde Planbarkeit haben gerade den Maschinenbau getroffen.
Wenn ein Kunde seine eigene Produktion und Auslastung nicht zuverlässig planen kann, wird eine Investition in eine neue Maschine schnell zurückgestellt. Wir mussten deshalb auch unsere eigene Organisation an die veränderte Marktsituation anpassen. „Right Sizing“ ist dafür vielleicht der positivere Begriff.
Solche Entscheidungen sind nie einfach, aber rückblickend war es der richtige Schritt. Gleichzeitig habe ich inzwischen wieder einen positiveren Eindruck vom Markt. Es gibt eine gewisse „Jetzt-erst-recht“-Mentalität. Viele Unternehmen sagen sich offenbar: Wir können nicht ewig warten. Irgendwann muss investiert werden, auch wenn die Rahmenbedingungen weiterhin schwierig sind.
Stefan Essing:
Das sehe ich ebenfalls. Es gibt Projekte, die immer wieder verschoben werden. Gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen die Nachfrage überraschend robust ist. Wir haben beispielsweise im klassischen dekorativen Bereich, unter anderem bei Kunstleder, einen sehr großen Auftrag gewonnen. Das zeigt auch, dass es sinnvoll ist, technologisch breit aufgestellt zu bleiben.
PRO Flexconvert:
Resilienz war zuletzt ein häufig verwendetes Schlagwort in der Branche. Welche Konsequenzen hat diese Entwicklung für einen Maschinenbauer?
E.-M. Aalto:
Resilienz bedeutet für uns vor allem Flexibilität. Wir müssen in der Lage sein, auf unterschiedliche Marktentwicklungen zu reagieren. Dazu gehört auch, nicht alle Ressourcen auf einen einzigen Zukunftsmarkt zu setzen.
Ein gutes Beispiel ist der Energiesektor. Vor einigen Jahren waren die Erwartungen an den europäischen Batteriemarkt enorm. Heute sehen wir dort deutlich mehr Zurückhaltung und gleichzeitig erhebliche Überkapazitäten in Asien.
Europa steht aktuell unter erheblichem Kostendruck und kann in vielen Bereichen nur durch Innovation, Qualität und Produktivität wettbewerbsfähig bleiben.
Matthews ist beispielsweise im Bereich Dry Battery Electrode sehr gut aufgestellt. Diese Technologie spielt auch bei den aktuellen Entwicklungen rund um Festkörperbatterien eine Rolle. Wir sehen also weiterhin erhebliches Potenzial, auch wenn sich der Markt langsamer entwickelt als ursprünglich erwartet.
PRO Flexconvert:
Welche Rolle spielt dabei die Beschichtung?
Stefan Essing:
Eine sehr wichtige. Wir haben in Bocholt und Fribourg gemeinsam mit Kunden und innerhalb des Matthews-Netzwerks an einem Prozess gearbeitet, mit dem sich die Produktivität bei der Beschichtung extrem dünner Folien deutlich steigern lässt.
Dabei geht es um Folien bis in den Bereich von wenigen Mikrometern, die beispielsweise keramisch beschichtet werden. Bei einem konkreten Prozess konnten wir die Geschwindigkeit von rund 100 auf bis zu 400 m/min erhöhen.
Das ist für uns ein sehr gutes Beispiel dafür, wie die Kompetenzen innerhalb der Gruppe zusammenspielen können. Der Batteriemarkt hat sich zwar nicht so entwickelt, wie viele vor einigen Jahren erwartet hatten. Die technologische Kompetenz bleibt aber relevant, und wir sehen insbesondere bei stationären Energiespeichern wieder interessante Signale.
Gerade die Kombination aus erneuerbaren Energien und Speichertechnologien wird langfristig ein wichtiges Thema bleiben.
PRO Flexconvert:
Ein weiteres großes Thema für die Verpackungsindustrie ist die PPWR. Spüren Sie bereits eine steigende Nachfrage nach entsprechenden Technologien?
Stefan Essing:
Wir hatten zunächst erwartet, dass die neue Verpackungsverordnung unmittelbar zu einer sehr starken Nachfrage führen würde. Tatsächlich erleben wir momentan eher Zurückhaltung.
Viele Unternehmen wissen noch nicht genau, welche Anforderungen am Ende tatsächlich gelten und welche Technologien sie benötigen. Wir sehen deshalb noch viel Entwicklungsarbeit auf Seiten der Kunden. Es geht um neue Materialien, neue Beschichtungen und neue Chemien. Die Umsetzung läuft entsprechend schleppend.
E.-M. Aalto:
Gleichzeitig haben wir einen großen Erfahrungsschatz aufgebaut. Wir können Chemie, Prozess und Maschine zusammenbringen und verfügen über Technikumskapazitäten, in denen neue Lösungen entwickelt und getestet werden können.
Wenn regulatorische Anforderungen konkreter werden, sind wir deshalb gut positioniert, um Kunden bei der Umsetzung zu unterstützen.
Monomaterialien sind technologisch schon relativ weit entwickelt. Schwieriger wird es bei Lösungen, die klassische Kunststoffe oder Aluminium ersetzen sollen. Hier müssen teilweise noch die richtigen Material- und Prozesskombinationen gefunden werden. Wir gehen deshalb davon aus, dass dieses Thema die Branche noch einige Zeit beschäftigen wird.
PRO Flexconvert:
Wie wichtig ist dabei die Zusammenarbeit der verschiedenen Matthews-Marken?
E.-M. Aalto:
Genau darin liegt eine unserer großen Chancen. Olbrich, Polytype Converting und Saueressig Engineering verfügen über komplementäre Kompetenzen.
Saueressig Engineering ist stark im Bereich Prägung und Oberflächenveredelung. Olbrich und Polytype Converting bringen ihre jeweiligen Kompetenzen in Beschichtung, Trocknung und Kaschierung ein.
Historisch gesehen haben sich diese Unternehmen nie wirklich gegenseitig Konkurrenz gemacht, sondern unterschiedliche Bereiche abgedeckt. Heute können wir diese Kompetenzen wesentlich systematischer zusammenführen. Dadurch entsteht für unsere Kunden ein deutlich breiteres Angebot.
PRO Flexconvert:
Wie beurteilen Sie insbesondere die Entwicklung in China?
E.-M. Aalto:
Die Entwicklung in China muss man sehr ernst nehmen. Ich reise seit mehr als 20 Jahren regelmäßig dorthin und die Geschwindigkeit, mit der sich der Maschinenbau entwickelt hat, ist beeindruckend.
„Local for local“ wird immer wichtiger.
Früher waren europäische Maschinen in China in vielen Anwendungen praktisch alternativlos. Heute gibt es lokale Anbieter, deren Lösungen für viele Anwendungen ausreichend sind.
Die entscheidende Frage ist deshalb, wie wir unsere Technologie rechtfertigen. Es geht nicht nur um den Anschaffungspreis, sondern um Produktivität, Qualität und Total Cost of Ownership.
Stefan Essing:
Das gilt auch für Indien. Indien ist aus meiner Sicht einer der anspruchsvollsten Märkte überhaupt: technisch sehr versiert, gleichzeitig extrem preissensitiv. Dort muss man sehr genau erklären können, welchen wirtschaftlichen Vorteil eine Maschine über ihre Lebensdauer bietet.
PRO Flexconvert:
Ein Bereich, der ebenfalls zunehmend in die Maschinenwelt hineinreicht, ist Künstliche Intelligenz. Wo steht Matthews hier?
E.-M. Aalto:
KI ist bei uns inzwischen im täglichen Arbeiten angekommen. Wir nutzen beispielsweise Copilot-Anwendungen und beschäftigen uns mit Einsatzmöglichkeiten in Konstruktion, Verfahrenstechnik und internen Prozessen.
Ich sehe aktuell allerdings weniger das einzelne spektakuläre KI-Geschäftsmodell als vielmehr die Frage, wie wir bestehende Prozesse besser machen können. Ein Beispiel ist die Nutzung vorhandener Versuchsdaten.
Wir haben über Jahrzehnte sehr viele Versuche und Projekte durchgeführt. Häufig weiß heute nur noch ein Mitarbeiter, dass ein bestimmter Versuch einmal stattgefunden hat.
KI kann dabei helfen, solche Informationen schneller zu finden und miteinander zu verknüpfen.
Stefan Essing:
In der Maschine selbst gibt es ebenfalls viele Möglichkeiten. Anomalie-Erkennung, Bahnabrisskontrolle oder vorausschauende Wartung sind keine völlig neuen Themen. Durch die Fortschritte bei Datenverarbeitung und KI bekommen diese Anwendungen aber neue Möglichkeiten.
PRO Flexconvert:
Zum Abschluss: Wenn Sie auf die kommenden Monate blicken, worauf liegt der Fokus?
E.-M. Aalto:
Wir wollen unsere Technologiekompetenzen zugunsten unserer Kunden weiter ausbauen und gleichzeitig unsere traditionellen Markenidentitäten wieder stärker in den Vordergrund stellen.
Der Markt bleibt volatil, aber wir sehen durchaus positive Signale. Wir haben außerdem gelernt, dass es in einem solchen Umfeld wichtig ist, flexibel zu bleiben und unterschiedliche Märkte bedienen zu können.
Genau diese Breite ist eine Stärke von Olbrich, Polytype Converting und Saueressig Engineering.
Stefan Essing:
Technologisch wollen wir insbesondere unsere Kompetenzen bei Beschichtung, Trocknung und Kaschierung weiterentwickeln.
Mit unseren Technika, der eigenen Fertigung und dem Know-how unserer Teams an den Standorten Bocholt, Vreden, Fribourg, Hamburg und Holoubkov sind wir dafür bestens aufgestellt.
Quelle: M2N Media / PRO flexconvert Nr. 14 – Okt. 2026
Bildquelle: Martin Hirschmann